Frühkindliche Bildung

Bei der frühkindlichen Bildung geht es um die Förderung der geistigen, kulturellen, moralischen und körperlichen Entwicklung von Kindern ab der Geburt bis ins Vorschulalter. Frühkindliche Bildung findet in unterschiedlichen institutionellen Formen statt, wie z.B. in Kinderkrippen, Kindergärten, Vorschulen, etc. Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Darum ist das Thema Medienkompetenz auch schon bei den ganz Kleinen von Bedeutung.

E-Books, Trickfilme und mehr – Das Tablet in vielseitigem Einsatz

Erfahrungsbericht zum Projekt "Medien-Kids 2" aus der Kita der evangelischen Gemeinde Horn

Medien sind in der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Wir kennen es selber zu gut: mal eben das Smartphone rausholen und schauen, was in der Welt so los ist oder von unterwegs in die E-Mails schauen. Die Modernisierungen sehen wir auch bei den Kindern im Alltag und in vielen Spielsituationen. Plötzlich reichen die „normalen“ Spielsachen nicht mehr. Die Kaffeemaschine in der Puppenecke muss Geräusche machen und das selbstgebastelte Handy darf natürlich nicht fehlen. Über diese Modernisierungen haben wir uns im Team unterhalten und diskutiert, was man verändern könnte und müsste, um sich der heutigen Zeit anzupassen. Aus diesem Grund haben wir uns bei dem Projekt „Medien Kids“ beworben.

Durch „Medien Kids“ haben wir gelernt, wie man Medien gezielt und kindgerecht in die pädagogische Arbeit und den Gruppenalltag einbindet. Für die praktische Umsetzung wurde uns ein Tablet für die Einrichtung zur Verfügung gestellt.

Erster Kontakt mit den Kindern

Um das Tablet als etwas „Normales“ zu integrieren haben wir es für den ersten Kontakt einfach auf den Tisch gelegt, um zu schauen wie die Kinder damit umgehen. Die Kinder versuchten, es zu entsperren und testeten sich aus. Die anfängliche Euphorie verflog schnell wieder, als sie merkten, dass keine Spiele auf dem Tablet vorhanden waren. Wir konnten feststellen: Je offener wir das Gerät in den Kindergartenalltag integrierten, umso mehr verstanden die Kinder, dass es sich um ein Werkzeug handelte und nicht um ein Spielzeug. Die Kinder haben Filme angefertigt, Kartenspiele erstellt, wie beispielsweise ein Memory, oder anhand von Bildern eine Schnitzeljagd durch unser Haus gemacht. Doch auch für die LED (Individuelle Lern- und Entwicklungsdokumentation) kann man das Tablet gut nutzen. Einfach Seiten mit Fotos gemeinsam mit den Kindern erstellen, noch etwas Text hinzufügen, ausdrucken und fertig zum Abheften für das Portfolio.

Fotografie: Farben, Ich-Seiten und vieles mehr

Zum Jahresthema „wieso, weshalb, warum – wer nicht forscht, bleibt dumm“ im Kindergartenjahr 2018/19 haben wir gemeinsam mit den Kindern die verschiedenen Farben besprochen und einen Farbkreis erstellt. In diesem Rahmen haben wir den Kindern das Tablet in die Hand gegeben und sie auf die Suche nach einer bestimmten Farbe geschickt. Die eine Gruppe hatte den Auftrag alle roten Dinge zu fotografieren, die nächste Gruppe fotografierte alles was blau ist und so weiter. Anschließend haben wir mit Hilfe der App „Pic Collage“ für jede Farbe eine Collage erstellt, die man beliebig erweitern kann. Mit der App haben wir für die Portfolios Ich-Seiten erstellt. Die Kinder haben ihre Lieblingsfarben usw. fotografiert und daraus eine schöne Seite erstellt, die wir dann gemeinsam in dem jeweiligen Portfolio abgeheftet haben.

Mit der App „Book Creator“ haben wir mit den Kindern digitale Bücher zu den Themen „Emotionen“ und „Meerschweinchenversorgung“ erstellt.

Rollenspiele mal anders

Eine sehr beliebte App ist „Puppet Pals“. Diese App ist eine Theaterbühne, wo die Kinder sich eine Figur zum Spielen aussuchen können und der Figur ihre Stimme verleihen. Die Figuren kann man bewegen und wenn man das Stück hinterher abspielt, bewegen sich die Figuren von ganz alleine und erzählen die Geschichte. Hier wird vor allem die Fantasie angeregt. Die Kinder erfinden die spannendsten und abenteuerlichsten Geschichten. Vor allem bei den Jungs kam Puppet Pals gut an. Die App kann auch als Instrument für die Sprachförderung benutzt werden.

Filme erstellen und schneiden

Wir hatten viele Ideen zum Thema Filme drehen und merkten schnell, dass es nicht so einfach ist, wie gedacht. Gemeinsam mit den Tintenklecksen, unseren Vorschulkindern, haben wir einen Film über die „Ausreise“ gedreht. Hierbei wurde viel getrickst. Die Kinder sind natürlich ganz normal mit dem Bus in das Landheim gefahren. In unserem Film steigen die Kinder und Kolleginnen im Kindergarten allerdings in einen verzauberten Mantel und klettern im Schullandheim wieder heraus. Dafür haben wir die App „iMovie“ genutzt.

Hierbei sind tolle Fragen und Gespräche entstanden: Wie funktioniert das? Wir sind doch mit dem Bus gefahren! Eben waren wir noch da, jetzt sind wir hier. Aber man sieht ja gar nicht, dass ich aus dem Mantel wieder heraus gekommen bin (als die Kamera aus war).

Auch bei der Gestaltung von Trickfilmen mit der App „Stop Motion“ kamen ähnliche Fragen auf, die dazu einluden, ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren, dass nicht immer alles echt ist was man sieht, auch nicht im Fernsehen. Die Trickfilme oder auch Stop Motion Filme genannt, bestehen aus vielen hintereinander gereihten Fotos. Um diese Art von Filmen zu drehen ist ein Stativ notwendig, da die Fotos immer aus der gleichen Position erstellt werden müssen. Wir haben mit wenigen Figuren angefangen unseren ersten Film zu drehen. Ein Kind wurde zum „Regisseur“ ernannt. Der Auftrag bestand darin, die Fotos im richtigen Moment zu schießen und den Akteuren zu sagen, wann die Hände aus dem Bild müssen. Die anderen Kinder schieben die Figuren immer ein Stück weiter. Es war schön zu sehen, wie unterschiedlich die Kinder agieren: Manche haben schnell verstanden, dass die Figuren kleine Schritte machen müssen, um einen „echten“ Bewegungsablauf nachzuahmen. Andere Kinder hatten großen Spaß daran, dass ihre Figuren „große“ Sprünge machen können oder „plötzlich“ weg waren, um in einer anderen Ecke wieder zum Vorschein zu kommen. Die Kinder merkten, dass kleine Dinge eine große Wirkung haben können.