Förderpreis "Das Ruder"

Bericht zum Medienkompetenzpreis: Programmieren mit Lego

Erster Bericht zum Projekt von einem der Gewinner (Nils Ohldebusch) von "Das Ruder 2019"

Lego Wedo 2.0

Worum geht es?

Am 22. August 2019 gewann ich den Medienkompetenzpreis der (bre(ma bei der Veranstaltung  „Das Ruder 2019“. Meine Idee ist es Kindern im Grundschulalter erste Schritte zur Programmierung von Lego-Robotern zu ermöglichen. Seitdem ist bereits viel passiert…

Was geschah seit der Preisverleihung?

Im September wurden Arbeitsgemeinschaften in unserer Grundschule ausgeschrieben. Ich war sehr gespannt, wie viele Kinder sich überhaupt für die AG „Coding – Programmieren für Kinder“ für die Klassen 3 und 4 melden würden. Um bereits im September starten zu können bestellte ich neun Lego Wedo 2.0 Bausätze und dazu noch 2 weitere iPads, auf denen ich die Lego-Wedo App installierte.

Um jede Woche vor Beginn der AG zu nutzen, habe ich interessierten Kindern aus meiner vierten Klasse bereits vorher einen Schnupperkurs angeboten. In diesen Wochen konnten die Kinder erste Erfahrungen mit dem Bauen und Programmieren von Legobausteinen machen. Zudem bot ich an einen interaktiven Roboter mit kleiner KI zu testen und zu programmieren und kleine Platinen mit diversen Sensoren am PC zu programmieren. Außerdem gab ich Kindern die Möglichkeit für maximal 5 Minuten mit je zwei Kindern zur Absicherung über eine VR-Brille der neueren Generation im Weltall und in der ISS zu schweben und sich dort umzuschauen. Es meldete sich ein großer Teil der Klasse an freitags dafür länger in der Schule zu bleiben. Insbesondere die programmierbaren Legobausets erfreuten sich großer Beliebtheit während des Schnupperkurses.

Als sodann die Rückmeldungen zur AG kamen, war ich doch recht überrascht:

50 Anmeldungen lagen aus nur 5 Klassen vor. Hinzu kam die Sonderregelung für vier weitere interessierte Kinder, die nach der eigentlichen AG – Zeit am Freitag noch kommen wollten, um bis 14.30 Uhr für das „Coding“ zu bleiben. Somit musste ich mir etwas einfallen lassen, da ich den Wunsch hegte kein interessiertes  Kind abzulehnen!

Die aktuellen Gruppen !

  • 26 Kinder aus zwei 4. Klassen sind für das 1. Schulhalbjahr in der AG
  • 4 Kinder kommen noch nach ihrer 6. Schulstunde freitags bis 14.30 dazu.
  • 24 Kinder aus der 3. Klasse kommen ab Ende Januar in die AG.
  • Keinem Kind wurde abgesagt

 

Allerdings sah ich mich gezwungen über den „Ruder-Preis“ hinaus einige weitere Bausätze privat zu kaufen, um der großen Anfrage gerecht zu werden.

Technische Feinheiten und Fehlerquellen beim 1. Treffen

Bereits am 13.09.2019 fand unser erstes Treffen statt. Alle Kinder waren sehr motiviert. Sie arbeiteten zu zweit und zu dritt zusammen. Jedes Team hatte ein Legobauset und ein Tablet erhalten. Nach einer kleinen Vorgeschichte, der Festlegung der Regeln und der Erklärung von technischen Details ging es auch schon los. Die erste Aufgabe war es Einstiegsroboter zusammenzubauen und zunächst nach Anleitung zu programmieren.

Die Lego-Hubs – die sich für die Programmierung über Bluetooth mit dem Tablet verbinden – waren jedoch noch nicht individuell benannt worden. Einige Tablets hatten somit das Problem den passenden Hub zu finden. Bei anderen Gruppen funktionierten zunächst die Soundeinstellungen nicht und es gab Gruppen, die ihren Hub gar nicht via Tablet fanden.

Trotz all dieser anfänglicher Probleme haben die Kinder toll reagiert. Sie suchten selbständig nach Lösungen, fragten nach,  bauten einen anderen Roboter oder tauschten sich mit anderen Teams aus, um gemeinsam Lösungsstrategien zu finden.

Die weiteren Treffen bis zu den Herbstferien

Im Laufe der darauffolgenden Woche kümmerte ich mich darum alle Hubs zu individualisieren und einen Testlauf mit allen Tablets durchzuführen. Jeder Bausatz hat nun einen Aufkleber mit einem Namen für den Hub und für ein bestimmtes iPad. Zusätzlich besorgte ich Gummiband, um die Baukästen besser zu schützen.

Technische Probleme gab es ab dem zweiten Treffen nicht mehr. Alle Kinder konnten in 2er Teams arbeiten. Mit weiteren Bausätzen war es nun auch möglich, dass alle 30 Kinder den eigens gebauten Roboter auch über eine Woche aufgebaut lassen konnten, um in der kommenden Woche weiter daran zu arbeiten. Durch die Zuweisung bestimmter Tablets war es nun auch möglich eigene Programmierprojekte weiterzuführen.

Weitere Herausforderungen

Noch vor den Herbstferien hatten einige Teams bereits alle Einstiegsmodelle gebaut und die Erstprogrammierungen kennengelernt. Auch das Projekt „Zusammenarbeit“, in dem zwei Teams je einen Roboter bauen, sie miteinander verbinden und an zwei Tablets gemeinsam programmieren, wurde bereits von Teams gemeistert. Somit hatten sie das erste Ziel erreicht, in dem es um das Kennenlernen der einzelnen Komponente und einiger Programmierbausteine ging.

Die nächste Herausforderung war gemeinsam mit zwei Teams eine vorgegebene Strecke auf zwei Tablets zu programmieren, so dass der Roboter, der mit zwei Motoren betrieben wird, eine Kurve fährt und rechtzeitig vor einer Mauer anhält. Auch diese Aufgabe wurde nach mehreren Versuchsaufbauten geschafft.

 

Wie geht es weiter?

Nach den Herbstferien sind fast alle Gruppen damit fertig die Einstiegsmodelle zu konstruieren. Es folgen in den kommenden Wochen weitere Aufgaben.

Zum einen soll es immer wieder die Möglichkeit geben eigene Roboter frei zu bauen und zu programmieren. Dafür können auch mitgebrachte Legofiguren oder Bausteine verwendet werden.

Zum anderen werde ich Problemstellungen aus der Physik oder z.B. der Umweltforschung einbringen. Die Reduzierung von Reibung für eine höhere Geschwindigkeit beim Transport von Ladegut wäre ein weiteres Thema. Noch ein anderes Projekt ist die Sortierung von unterschiedlichen Legosteinen mit Hilfe einer Sortiermaschine.

Auch auf eigene Ideen der Kinder kann in der AG gut eingegangen werden.

Fortbildungsmaßnahmen

Neben der von mir durchgeführten AG ist ein weiteres Ziel dieses Projekts weitere Gruppen zu professionalisieren, um sie zu befähigen angstfrei und motiviert in Projekten zu arbeiten.

Schule:

Am Dienstag,  1. Oktober 2019 fand im Zuge unseres Schulentwicklungsprogramms eine interne Fortbildung für das Kollegium unserer Schule statt. Die Programmierplattfomen Mini-Calliope und Lego-Wedo 2.0 wurden den Kolleginnen und Kollegen vorgestellt und natürlich auch ausprobiert. Im Zuge des zehnwöchigen Projektunterrichts der vierten Klassen, wird bereits aktuell neben des Erwerbs des Internet ABC-Führerscheins auch einfaches Programmieren angeboten.

Schulleitungen:

Außerdem habe ich angeboten bei einem Schulleitertreffen in unserer Region das Konzept vorzustellen. Auf den Vorschlag gab es durchaus einige positive Resonanz. Hier geht es mir in erster Linie darum Schulen im Zuge des Digitalpaktes eine bessere Entscheidungshilfe zu geben und über die technischen Voraussetzungen, Kosten und Nutzen aufzuklären. Derzeit sehe ich besonders im Bereich der Transparenz über die Möglichkeiten, Kosten und Nutzen einer bestimmten Anschaffung großen Informations- und Aufklärungsbedarf. Zwar kann ich die Transparenz nur in einem sehr kleinen thematischen Rahmen herstellen, aber es ist ein Anfang.

 

Hort (Schulverein):

Bereits am Mittwoch, 09.10.2019 gab es eine ausgedehnte Schnupperstunde für die Kinder aus dem Ferienprogramm des elternorganisierten Hortes. In diesem Zuge hatten bereits zwei Kolleginnen aus der Betreuung eine Einführung in die Funktionsweise der Legobaukästen, gemeinsam mit den Kindern. Nach den Herbstferien werde ich freitags weitere angekündigte Besuche während der AG haben, damit sich auch die anderen Kolleginnen und Kollegen aus der Betreuung dort abwechselnd fortbilden können.

 

Interkulturelle Schule:

Die App mit den Bauanleitungen kann auch auf französische Sprache umgestellt werden. Da wir in unserer Schule die französische Sprache fördern und eine Kooperation mit der Interkulturellen Schule pflegen, habe ich auch den Kolleginnen und Kollegen aus dem Verein Interkulturelle Schule eine freiwillige Fortbildung angeboten. In der Vergangenheit haben wir bereits Fortbildungen zu itslearning und zur Handhabung der schulvereinseigenen iPads und deren Apps durchgeführt.

 

Fazit:

Das Projekt ist erfolgreich gestartet. Alle Produkte sind vorhanden. Die AG ist voller motivierter Kinder. Die Resonanz im Kollegium und mit unseren Kooperationspartnern ist positiv. Einige Fortbildungsmaßnahmen haben schon stattgefunden. Die Kinder werden sensibilisiert sich mit technischen und virtuellen Konstruktionsproblemen auseinanderzusetzen. Durch die Verfügbarkeit von aktuell 15 Lego-Wedo-Kästen inklusive Ersatzteilen, ausreichend vielen iPads im gesicherten Schulhotspot und genügend fortgebildeten Kolleginnen und Kollegen ist auch für die Nachhaltigkeit gesorgt. Somit bin ich mit dem Projektstart durchaus zufrieden. :-)