Frühkindliche Bildung

Bei der frühkindlichen Bildung geht es um die Förderung der geistigen, kulturellen, moralischen und körperlichen Entwicklung von Kindern ab der Geburt bis ins Vorschulalter. Frühkindliche Bildung findet in unterschiedlichen institutionellen Formen statt, wie z.B. in Kinderkrippen, Kindergärten, Vorschulen, etc. Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Darum ist das Thema Medienkompetenz auch schon bei den ganz Kleinen von Bedeutung.

Von den „Fotodetektiven“ bis zu den „Geschichtenerfindern“

Erfahrungsbericht zu dem Projekt „Medien-Kids“ aus dem Kinder- und Familienzentrum Stichnathstraße

Rahmenbedingungen

Im Rahmen von „Medien-Kids“ haben wir (zwei Erzieherinnen) in einem Gruppenraum der Kita einmal die Woche Kinder eingeladen, an unterschiedlichen Medien-Angeboten teilzunehmen.

Teilnehmen konnten jeweils fünf Kinder (aus je einer Gruppe des Elementarbereichs) im Alter von vier bis sechs Jahren.

Jede Kleingruppe hat an zwei bis drei Terminen jeweils für ca. 45 Minuten kreativ mit dem iPad bzw. Laptop gearbeitet.

Projektarbeit

Da wir den Titel „Medien-Kids“ für die Kinder unserer Kita etwas abstrakt fanden, haben wir die Gruppen „Fotodetektive“ und „Geschichtenerfinder“ genannt. Die Kinder haben sich jeweils freiwillig zu den Gruppen gemeldet und obwohl sie sich in dem Moment bestimmt meist nicht genau vorstellen konnten, um was es eigentlich gehen würde, waren sie sehr offen und mutig, sich auf diese neuen Ausdrucksformen einzulassen.

Bei den „Fotodetektiven“ haben die Kinder Bilderrätsel (Detailaufnahmen von Gegenständen), Bilderreihen (z.B. rote oder runde Gegenstände), Trickfilme (mit Lego) und Filmtricks (Zauberei durch Kameraschnitt) erstellt.

Dafür haben wir die Foto- und Videofunktion des iPads genutzt. Für den Trickfilm die App „iMotion Pro“. Die Zauberfilme haben wir mit der App „iMoviebearbeitet, z.B. die Schnitte überarbeitet und Töne hinzugefügt. Dabei haben die Kinder die Töne selber aus der Mediathek ausgesucht bzw. aufgenommen.

Bei den „Geschichtenerfindern“ haben die Kinder sich spontan eine Geschichte ausgedacht und gleich per Mikrofon und Laptop aufgenommen. Dabei haben wir das Programm „Audacity“ benutzt. Später haben sie passende Geräusche aufgenommen und Bilder zu der Geschichte gezeichnet. So konnten wir ein Hörspiel mit Illustrationen zusammenschneiden.

Am Anfang haben wir den Kindern jeweils einen kleinen Input gegeben. Meist mit vorhandenen Beispielen, um ihnen eine Orientierung zu geben. Wir haben mit einfachen Aufgaben angefangen und uns dann zu anspruchsvolleren Medien-Angeboten vorgearbeitet.

Dies war uns wichtig, da wir erst einmal schauen wollten, wie die Kinder auf die Angebote reagieren und uns auch selber dabei nicht gleich technisch überfordern wollten.

Die Kinder haben mit uns Erwachsenen zusammen überlegt, welche Fotorätsel wir machen z.B. welche Farbe oder Motive wir nehmen, wie das Lego beim Trickfilm aufgebaut werden könnte, welche Dinge die Kinder herbeizaubern oder verschwinden lassen könnten.

Bei den Videoaufnahmen haben wir die Clips auch gleich im Anschluss an den Dreh bzw. beim nächsten Treffen gemeinsam angeschaut und über den „Verschwinde“-/“Auftauch“-Effekt gestaunt.

Die Kinder waren zum Teil beim Schnitt dabei und haben uns unterstützt. Den Schnitt kann man allerdings nicht mit vielen Kindern auf einmal machen. Ein bis drei Kinder sind okay. Sie können dann gut zuschauen und manche Funktionen bedienen.

Wir haben den Kindern jeweils einen recht klaren Rahmen vorgegeben und sie technisch je nach Bedarf unterstützt. Innerhalb dieses Rahmens sind die Kinder eigenständig aktiv geworden.

Dabei haben wir besonders darauf geachtet, dass alle Kinder einer Kleingruppe eingebunden waren und sich aktiv beteiligt haben. Jedes Kind war mal an der Kamera, bei den Filmaufnahmen auch vor der Kamera. Jedes Kind konnte eigene Ideen einbringen und Aufgaben übernehmen.

Gelungen – misslungen? Erfolge auf ganzer Linie!

Wir finden, dass alle unsere Projekte, die wir mit den Kindern gemacht haben, gut gelungen sind. Und dass vor allem die Kinder stolz darauf sein können. Die Kinder haben sich viel Mühe gegeben und waren zum Großteil mit Interesse, Engagement und manchmal sogar Begeisterung dabei.

Bei den Bilderrätseln, mit denen wir angefangen haben, gab es Kinder, die hinterher gesagt haben, dass sie die Aktion langweilig fanden. Als wir allerdings die Rätsel hinterher gezeigt haben, konnte man merken, dass auch diese Kinder sich über das Ergebnis gefreut haben.

Erstaunt waren wir auch über die Reaktionen der Kinder, als wir nur einfach mit dem Mikrofon durch den Flur der Kita gelaufen sind, um es in den Gruppenraum zu bringen. Sofort wurden wir von mehreren Kindern angesprochen. Alle assoziierten das Mikrofon sofort mit Gesang bzw. Bühnen-Vorführungen.

Es war auch sehr erstaunlich, wie schnell die Kinder mit den Apps zurechtkamen. Auch an manchen Stellen, an denen wir Erwachsenen erst einmal eine Weile brauchten, um heraus zu finden, wie die Programme funktionierten, sind die Kinder mit ihrer forschenden Neugier schneller damit zurechtgekommen als wir.

Wir haben dabei gelernt, dass wir den Kindern Einiges zutrauen können und auch sollten.

Ausblick

Insgesamt haben die beteiligten Kinder gelernt bzw. konnten sehen, was man mit einem iPad/Tablet alles machen kann, wenn denn die richtigen und nötigen Apps und Einstellungen dazu vorhanden sind und ein Erwachsener einen dabei mehr oder weniger unterstützt.

Da wir in einer Kita in einem sozialen Brennpunkt arbeiten, an dem die Aspekte Migration, Armut und Ausgrenzung mit all ihren Facetten die Kinder besonders prägen, ist uns Folgendes noch besonders wichtig zu sagen:

Neben verschiedenen Bereichen sind unserer Meinung nach solche Medienprojekte besonders für Teambildung, Vermittlung eines respektvollen Umgangs untereinander und die Sprachbildung- und -förderung bestens geeignet.

Im Großen und Ganzen war es ein spannendes und interessantes Projekt, das wir mit den Kindern gemacht haben. Und sicherlich werden es nicht die letzten Fotos, Videos und Hörgeschichten gewesen sein, die die Kinder in unserer Kita gemacht haben!

Autorin: Rebekka Schaefer