Frühkindliche Bildung

Bei der frühkindlichen Bildung geht es um die Förderung der geistigen, kulturellen, moralischen und körperlichen Entwicklung von Kindern ab der Geburt bis ins Vorschulalter. Frühkindliche Bildung findet in unterschiedlichen institutionellen Formen statt, wie z.B. in Kinderkrippen, Kindergärten, Vorschulen, etc. Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Darum ist das Thema Medienkompetenz auch schon bei den ganz Kleinen von Bedeutung.

Das iPad im Rahmen der Projektarbeit erkunden

Erster Erfahrungsbericht zum Projekt „Medien-Kids“ aus dem Kinder- und Familienzentrum Schwarzer Weg

Über die Einrichtung

Ich bin im Kinder- und Familienzentrum Schwarzer Weg des Eigenbetriebes KiTa Bremen tätig. Der Kindergarten befindet sich im Stadtteil Gröpelingen, der einer der multikulturellen Wohngegenden Bremens ist. Schätzungsweise haben ca. 50 % der Kinder in der Einrichtung einen Migrationshintergrund.

Das Kinder- und Familienzentrum Schwarzer Weg bietet eine Betreuung für insgesamt 180 Kinder im Alter von 2,8 – 10 Jahren an: sieben Gruppen im Elementarbereich und zwei Hortgruppen mit jeweils 20 Kinder. Das KuFZ Schwarzer Weg ist als Schwerpunkteinrichtung gekennzeichnet und inkludiert die Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen.

Die Einrichtung hat ein halboffenes Konzept. Dies bedeutet, dass alle Räume nach unterschiedlichen Funktionen aufgeteilt und für alle Kinder in der Zeit von 8:00 – 10:00 Uhr zugängig sind. Danach finden Bildungsangebote stammgruppenorientiert statt.

Projektablauf

Ich bin in der Stammgruppe mit der Funktion „Bauen“ eingesetzt. Die Gruppe ist neu: Sie wurde im September 2017 mit zwei neuen Mitarbeiterinnen (mir und meiner Kollegin) und 20 neuen Kindern im Alter von 2,10 – 6 Jahren eröffnet, die meisten von ihnen besuchten zum ersten Mal den Kindergarten (nur vier Kinder besuchten vorher einen Spielkreis oder eine Kindergartengruppe). Abgesehen von einem Mädchen und die vier oben genannten Kinder, konnten die meisten kein Deutsch sprechen. Um die Kinder aus meiner Stammgruppe mit dem Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen, beschloss ich ein „Medienprojekt“ in der Einrichtung anzubieten und Kinder aus anderen Gruppen zum Teilnehmen am Projekt einzuladen.

So startete ich im November mit meinem Medienprojekt. Für meine Projektdurchführung wurden zwei Tage in der Woche als Projekttage ausgewählt. Im Zeitraum von 10:30 Uhr – 11:15 Uhr konnte das Medienprojekt jeweils durchgeführt werden.

Dienstags nahmen zwei Gruppen mit jeweils drei Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren teil. Mittwochs nahmen drei Gruppen mit jeweils zwei Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren teil. Dementsprechend entstanden zwei voneinander unabhängige Teilnehmergruppen.

Beim ersten Treffen beschäftigten sich die Kinder mit den Fragen: „Was sind Medien?“ „Was gehört dazu?“ und „Was kann man damit tun?“. Als Nächstes stellte ich das iPad als unser neues Arbeitsinstrument vor und erklärte, dass dieses kleine Gerät alle vorher besprochenen Funktionen in sich umfasste und noch mehr verschiedene Möglichkeiten bieten konnte. Aber vor der ersten Begegnung mit dem Gerät mussten feste Regeln abgesprochen werden. Die Kinder legten eigenständig fest, wie sie mit dem iPad umgehen sollten: Vorsichtig sein! Dies bedeutete nicht mit dem iPad rennen/toben, nicht mit dem iPad schlagen/hauen, das iPad nicht runter schmeißen, nicht von einem anderen Kind wegnehmen/erst einmal fragen, nicht mit Ästen auf das iPad hauen, nicht darauf malen und nicht währenddessen essen oder trinken.

Als Einstieg in das Projekt fingen wir mit Fotografieren an. Die Kinder nahmen sich gegenseitig auf und machten Selfies. Danach waren die Bilder in Book Creator auf einer Seite platziert und jedes Kind schrieb seinen Namen darunter. Die Kinder waren begeistert ihren Namen zu tippen (Einige konnten ihn auswendig schreiben, andere schrieben ihn ab). Dazu suchten die Kinder nach eigenem Wunsch die Schrift, die Größe und die Farbe aus. So entstanden die ersten Teilnehmerbilder.

Aufnahmen begleiteten uns das ganze Projekt hindurch. Die Kinder machten Rätselbilder und antworteten auf die Fragen: Kann ein Kind im Becher sitzen? Kann ein Kind mit dem Spielauto fahren? Kann Barbie so groß wie ein Kind sein? Die Kinder haben mit verschiedenen Perspektiven experimentiert.

An jedem unserer Treffen stellte ich den Kindern die Frage, was sie machen wollten. Einige wollten Bilder machen und ausschneiden, die Anderen singen und Videos aufnehmen. So ließen sich musikalischen Videoclips, narrative Geschichten/Filmchen und Trickfilme aufnehmen. Die Hauptrolle spielten die Kinder selbst oder sie erweckten Spielfiguren und sogar die Bausteine zum Leben. Die Begeisterung der Kinder hatte keine Grenzen, wenn sie durch das Regal oder durch die geschlossene Tür gingen oder sich im Kreis ohne die Füße zu bewegen drehen konnten.

Reflexion

Mit dem Projektverlauf bin ich vollkommen zufrieden. Mein Hauptziel war es, den Kindern einen ganz anderen Blick im Umgang mit dem iPad anzubieten, damit sie ihre Fantasie und Kreativität weiterentwickeln konnten. Gerade deshalb schloss ich alle Lernspiele aus und akzentuierte meine Arbeit auf das Fotografieren und Filmerstellen.

Während des Projektes haben die Kinder viel gelernt, zum Beispiel bekamen schon mal gehörte Worte eine Bedeutung: „Selfie“ sich selbst aufnehmen, „Collage“ ein Bild, das mehre Fotos in sich fasst. Die Kinder erfuhren, dass Buchstaben sich von der Schrift und Größe unterscheiden und dass die Kinder nicht nur Filme gucken, sondern sogar selbst drehen konnten.

Die Projektteilnehmer entwickelten sich in ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten weiter: Feinmotorik (Bilder mit den Fingern ausschneiden oder mit den Fingern malen), soziales Verhalten (Geduld, Ausdauer, gemeinsam in einer Gruppe zusammenarbeiten), Kommunikation (Absprachen treffen, eigene Meinung und Gedanken frei äußern, die Vorschläge der Anderen akzeptieren). Was die Kinder betrifft, die kaum Deutsch beherrschten; sie waren immer dabei und wurden nie ausgeschlossen. Ihre Ideen drückten sie nonverbal aus (pantomimisch) und sie bekamen die Möglichkeit etwas auf ihrer Muttersprache vorzuführen, zum Beispiel singen, danach kam eine kurze Erläuterung auf Deutsch.

Ich selbst lernte im Projekt noch dazu, die Kinder halfen mir viel. Sie entdeckten neue Funktionen und wiesen mich darauf hin, dass sie zum Beispiel ein Notenzeichen in der App gefunden haben und ihre lautlosen Filmchen bekamen eine musikalische bzw. narrative Begleitung. Oder als nach dem Systemupdate von Apple sich einige Apps und Funktionen nicht mehr finden ließen. Die Kinder fanden die gesuchten Funktionen nach dem „Klickprinzip“ sehr schnell.

Aber natürlich begleiteten auch Schwierigkeiten das Projekt. Zunächst zog die Räumlichkeit Probleme nach sich. Denn in der Zeit von 10.30 Uhr – 11.30 Uhr fanden verschiedene Angebote (zum Beispiel Schulgruppe, Sprachgruppe) in der Einrichtung statt, weswegen es schwierig war einen separaten Raum zu finden. In diesem Fall hat mich meine Kollegin sehr unterstützt, die mit allen Kindern aus der Stammgruppe nach Draußen ging, damit mir dementsprechend unser Gruppenraum zur Verfügung stand. Zudem hatten wir viel Personalmangel, deswegen fielen einige Treffen aus. Außerdem gab es viele Krankheitsfälle seitens der Kinder. So wurden neue Kinder eingeladen, die Anzahl der Projektteilnehmer hat sich erhört. Es war natürlich nicht mehr möglich mit so vielen Kindern an einem Gerät zu arbeiten, weil die Kinder nur alleine oder zu zweit Kunstwerke erstellen wollten. Die Lösung fand ich in der Gruppenteilung innerhalb einer Gruppe: Jede Kleingruppe bekam eine begrenzte Zeit (ca. 20 Minuten) und falls sie ihr Projekte noch nicht bis zu Ende fertig gemacht hatten, mussten sie aufhören und beim nächsten Treffen weitermachen.

Ausblick

Ende Mai findet „Medien-Kids“, ein Eltern-Kind-Nachmittag, in der Einrichtung statt, wo die Kinder ihre Kunstwerke ihren Eltern präsentieren werden. Die Kinder und ich sind schon aufgeregt, weil die Rückmeldung der Eltern für uns wichtig ist. Deswegen bereiten wir uns zurzeit auf die Präsentation vor und erstellen gleichzeitig neue Projekte.

In Zukunft werde ich weiterhin im Kindergarten Medienprojekte anbieten, um die Medienkompetenz der Kinder zu unterstützen. Ich werde versuchen das iPad als Arbeitsinstrument im Alltag zu integrieren.

Die Kinder tippen ihren Namen

Experimente mit Perspektiven

Autorin: Evgeniya Sereda, Kinder- und Familienzentrum Schwarzer Weg