Bürgermedien

Bürgerrundfunk in Bremen und Bremerhaven: Ein Angebot an die Stadtgesellschaft. Ein Positionspapier des Medienrates

Der Medienrat der Bremischen Landesmedienanstalt (brema) hat sich seit Anfang 2016 intensiv mit dem Bürgerrundfunk und seinen Zukunftsperspektiven befasst.
Wir begrüßen daher ausdrücklich die Initiative der Bremer Senatskanzlei zum „Gedankenaustausch Bürgerrundfunk“ am 7. April 2017 und freuen uns auf einen produktiven Dialog.

Das vorliegende Positionspapier soll den bisherigen Stand der Debatte im Medienrat zum Thema „Perspektiven für den Bürgerrundfunk/Radio Weser TV“ abbilden. Das Gespräch darüber ist keineswegs abgeschlossen.

Der Medienrat hat im letzten Jahr gemeinsam mit der brema eine Klausurtagung zum Thema Bürgerrundfunk abgehalten. Unsere Leitfragen waren dabei:

  • Wer sind die Zielgruppen des Bürgerrundfunks (BR)?
  • Welche Ziele soll der BR in Bremerhaven, Bremen-Nord und in Bremen haben?
  • Wie kann der BR insgesamt attraktiver werden?
  • Wie wünschen wir uns den BR im Jahr 2030?

Radio und Fernsehen von Bürgern für Bürger
Radio und Fernsehen von Bürgern und Bürgerinnen für Bürger und Bürgerinnen – das ist die Maxime des Bürgerrundfunks.
Er ist eine wichtige dritte Säule neben dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk.
Bürgermedien stärken die Zivilgesellschaft durch die aktive Beteiligung von Einzelnen oder Gruppen an der Medienlandschaft. Der Bürgerrundfunk gibt so immer wieder Impulse zur Partizipation sowie medialer, kultureller und publizistischer Vielfalt im Land Bremen.

„Charme mit Standards“
Aus Sicht des Medienrates ist es sinnvoll und möglich, zukünftig weitere Nutzergruppen für den Bürgerrundfunk zu finden. So wäre es u.a. wünschenswert, die Zahl der Frauen, die den BR nutzen, zu steigern.
Der Bürgerrundfunk sollte sich auch noch stärker auf konkrete Ereignisse und Probleme im Quartier und auf Stadtteilgeschichten fokussieren. So könnten vermehrt lokale und stadtteilbezogene Fragen, Veranstaltungen und Diskurse abgebildet werden.

Ein Erfahrungsaustausch mit dem Berliner Bürgersender ALEX, der sich nach einem Relaunch vom „Offenen Kanal“ zur  „medialen Kreativplattform Berlins“ entwickelt hat, hat unserer Diskussion dabei wichtige Impulse gegeben. ALEX setzt besonders auf crossmediale Angebote und eine gezielte Aus- und Fortbildung der Nutzer/innen.
Der Bürgerrundfunk gewinnt an Charme, Qualität und Relevanz, wenn Bürgerinnen und Bürger gut ausgebildet und authentisch davon berichten, was sie in ihrem Quartier und Stadtteil bewegt.

Medienkompetenz
Der Medienrat bekräftigt den Bildungs- und Ausbildungsauftrag des Bürgerrundfunks. Er ist  mit der Vermittlung von praktischer Medienkompetenz nicht zuletzt auch eine Talentschmiede. Für viele junge Menschen ist der Einstieg beim Bürgerrundfunk der erste Schritt, um theoretische und praktische Erfahrung im Bereich Journalismus zu sammeln.

Im Bürgerrundfunk produzieren Menschen gemeinsam Sendungen. Dieser kommunikative und soziale Aspekt des Bürgerrundfunks sollte noch verstärkt werden. So könnten durch Kooperationen mit anderen Akteuren im medialen Bereich auch neue Räume und Strukturen entstehen, in denen noch mehr Menschen mit fachlicher Unterstützung und Förderung Sendungen qualitativ hochwertig gestalten.

Zukunftsperspektiven im digitalen Zeitalter

Dem Medienrat ist es besonders wichtig, dass der  Bürgerrundfunk auf der Höhe der medialen Entwicklung und der veränderten Nutzergewohnheiten ist. Er sollte sich als crossmediale Plattform verstehen und die entsprechenden konzeptionellen Voraussetzungen schaffen. Besonders die Präsenz des Bürgerrundfunks im Netz bzw. die Homepage von Radio Weser TV sollte daher zeitgemäß sein.

Die drei Standorte des Bürgerrundfunks in Bremen-Stadt, Bremen-Nord und Bremerhaven sind ganz unterschiedlich positioniert. Zentralen Strukturen in Bremerhaven mit einem Funkhaus bzw. einem Studio in Bremen-Nord stehen dezentrale Strukturen in Bremen-Stadt gegenüber.

Brauchen alle Standorte die gleichen Standards bzw. die gleiche „Hardware“? Diese Frage ist im Medienrat noch nicht abschließend diskutiert. Wir begrüßen aber ausdrücklich die Suche des Bürgerrundfunks nach weiteren Kooperationen mit Kulturinstitutionen, Hochschulen, Akteuren der Medienkompetenz-Netzwerke, politisch Interessierten und neuen Partnern.

Vor allem für Bremen-Stadt ist ein Konzept nötig, das konkrete Schritte und Entwicklungsziele aufzeigt. Wir sehen darüber hinaus die Notwendigkeit, die Öffentlichkeitsarbeit des Bürgerrundfunks auszubauen, und dabei auch Soziale Medien und Netzwerke wesentlich stärker einzubinden. Die ersten Schritte dazu und das Experiment der neuen Dachmarke „medialab nord“ und seiner Facebook-Präsenz begrüßt der Medienrat ausdrücklich. Diesen Überlegungen folgend hat der Medienrat den Medienkompetenzausschuss in „Ausschuss für Medienkompetenz und Bürgermedien“ umgenannt.

Der Medienrat will insgesamt dazu beitragen, dass der Bürgerrundfunk auch in Zukunft sowohl über seine klassischen Verbreitungswege als auch im Netz ein sichtbarer und bedeutender Teil der Bremer Medienlandschaft ist.

Der Medienrat der brema hat dieses  Positionspapier in seiner Sitzung am 15. März 2017 verabschiedet.