Social Media

Facebook, Twitter, Wikipedia, YouTube etc. sind heute allgegenwärtig. Informationen werden über die sozialen Medien verbreitet und die digitalen Plattformen erleichtern die Kommunikation zwischen einzelnen und mehreren Personen. Selbst aktiv werden und Inhalte gestalten ist das Ziel sozialer Medien. Hierfür bedarf es allerdings bestimmter Kompetenzen. Mehr über das Thema erfahren Sie hier.

Unser Workshop #fake #selfie – Inszenierung in Kunst und Social Media

„Mein Leben besteht quasi aus Internet“ und „Ich bin eigentlich dauerhaft im Netz“ sind Antworten, die man mittlerweile nicht selten hört, wenn Jugendliche über ihre Internetnutzung sprechen. So auch an einem Dienstag in der Kunsthalle Bremen. Unsere Referentinnen Tamira Mühlhausen und Maren Schwartz sitzen mit etwa fünfzehn 17- bis 23-jährigen Schülerinnen und Schülern einer  berufsbildenden Bremer Schule auf bunten Sitzwürfeln im „Backstage“ der Kunsthalle.

Im Austausch wird schnell klar: Alle hier verbringen täglich mehrere Stunden online, sei es bei Netflix, Whatsapp, Twitter, Instagram oder YouTube. Das Netz dient gleichermaßen zur Unterhaltung, Kommunikation mit Freunden und Familie sowie als wesentliche Informationsquelle. Alle scheinen die Vorzüge des Internets nicht in Frage zu stellen, während die Lehrerin ihr Unbehagen gegenüber Whatsapp und der ständigen Erreichbarkeit auch per Mail äußert. „Das nervt mich. Ich versuche bewusst, möglichst viel offline zu sein.“ Generationensache also? Wahrscheinlich auch. Für die Generation Z/Selfie/Ego, die Millenials oder Digital Junkies, wie man Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren sind, gern klassifiziert, gibt es kein Leben „vor dem Internet“. Die Nutzung digitaler Medien, Social Networks sowie alle damit einhergehenden (Selbstdarstellungs-)Praktiken sind schlichtweg selbstverständlich und werden somit häufig nicht hinterfragt.

Umso wichtiger, was Maren und Tamira konzipiert haben: Einen Workshop für Jugendliche, der das Thema „Inszenierung im Netz“ ganz genau unter die Lupe nimmt. Und welcher Ort könnte besser sein, um dem Phänomen der Selbstdarstellung auf die Schliche zu kommen, als die Kunsthalle? Denn sich selbst und andere ins rechte Licht zu rücken, ist keine Praktik, die erst besteht seitdem Selfies, Influencer und Instagram Einzug in unsere Lebenswelt gehalten haben. In der Sammlung der Kunsthalle Bremen finden sich dafür zahlreiche Beispiele, die die Jugendlichen nun entdecken. Woran erinnert zum Beispiel das Werk „Erdbeeren“ (1909) von Max Slevogt? Oder „Junge Frau vor dem Spiegel“ (um 1879/83, unbekannter Künstler) und Claude Monets „Camille“ (1866)? Für die Jugendlichen ganz klar: An Fotos, die sie von Instagram und Co. kennen. Meistens mit Hashtags versehen, wie #foodporn (173 Mio. Treffer auf Instagram), #mirrorselfie (5 Mio.) oder #ootd („outfit of the day“, 208 Mio.). Bei der Frage nach „Like oder Dislike“ der Gemälde vs. Instagram-Fotos fällt auf: Die Schülerinnen und Schüler geben ihr Like deutlich öfter den Kunstwerken. Jene finden sie „viel interessanter und besonderer“, während ihnen bei den Instagram-Fotos „der Wow-Effekt fehlt“. Sie sagen es gebe weniger zu entdecken auf den Handyfotos, diese seien langweilig und „wirken sehr künstlich und offensichtlich inszeniert“.

In der nächsten Übung sind sie selbst gefragt und schießen in Gruppen mit ihren Handys „Expectation-vs.-Reality-Fotos“ zu den populären Hashtags #iwokeuplikethis, #bestfriends, #pictureoftheday, #outfitoftheday und #trainhard. Nun gilt es darüber nachzudenken, welche Erwartungshaltung fotobasierte Plattformen generieren und wie meistens jedoch die Realität hinter der Inszenierung aussieht. Die kreativen Fotos der Jugendlichen werden ausgedruckt und als Galerie anseh- und vor allem bewertbar gemacht. Die Schülerinnen und Schüler sind aufgefordert analoge Likes, Emojis und Herzen zu verteilen sowie die Fotos neben zusätzlichen Beispielen von bekannten Internet-Stars schriftlich zu kommentieren. Es wird diskutiert: Welche Fotos gefallen uns (nicht) und warum? Was sind die Unterschiede zwischen Erwartung und Realität? Wie authentisch ist die Selbstdarstellung von YouTube-Stars und Influencern in den sozialen Medien? Warum zeigen sich fast alle möglichst makellos, schön und glücklich? Die Jugendlichen reflektieren, dass nicht alles „Gold ist, was glänzt“. Was wir in Social Media präsentiert bekommen, ist immer nur ein inszenierter, in der Regel bearbeiteter, nach strengen Selektionskriterien ausgewählter Ausschnitt eines Moments, der nie ein „So ist es, sondern ein „So sollt ihr es sehen“ zeigt.

Bestimmte, uns gut bekannte Fotoperspektiven und Motive finden sich sogar schon in Kunstwerken, die teilweise gut 150 Jahre alt sind. Seien es Stillleben, die auf ganz bestimmte Weise drapiert oder teure Kleidung, die in Szene gesetzt wurde. Inszenierung und Selbstdarstellung sind keine neuen Phänomene, die Art und Weise des Wie und Wo hat sich lediglich unserer Zeit angepasst.

Der Workshop ist eine Kooperation zwischen der Kunsthalle Bremen und der Bremischen Landesmedienanstalt und kann jederzeit von Schulklassen gebucht werden.