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Chasing Clicks – Logan Paul und das Youtube-Phänomen

Logan Paul und sein Bruder Jake zählen mit 16 bzw. knapp 14 Millionen Followern zu den beliebtesten Youtube-Stars der USA.

Die Paul-Brüder vloggen seit 2013 regelmäßig über ihren Alltag und erreichen damit Millionen Zuschauer. Diese Reichweite bescherte ihnen bisher zahlreiche Werbedeals, sowie Plätze auf der Liste der von Youtube bevorzugt vermarkteten Werbepartner. Allerdings löste der ältere der beiden Brüder kürzlich einen beachtenswerten Shitstorm und damit unfreiwillig eine grundlegende Debatte aus. Grund dafür ist ein Skandal-Video, das am 31. Dezember 2017 auf seinem Kanal erschienen war. In dem Video will Logan mit seiner Crew im  Aokigahara-Wald in Japan übernachten – eine Grusel-Challenge sollte es werden. Kurz nach Betreten des unter Naturschutz stehenden Waldes entdeckte Logan ein Suizid-Opfer. Statt die Kamera auszuschalten und die Polizei zu verständigen filmte er weiter.

Das Video blieb zunächst online, obwohl es von Usern gemeldet worden war. Logan Paul selbst löschte das Video einen Tag nach der Veröffentlichung am 1. Januar 2018. Youtube wiederum meldete sich erst am 9. Januar via Twitter mit einer Stellungnahme und einer Botschaft an die Youtube-Community, in der Folgen für Logan Paul angekündigt wurden.

Als Konsequenz verlor Paul seine Werbedeals, seinen Platz im Google-Preferred-Portfolio und wurde von zwei Youtube Red-Produktionen ausgeschlossen. Follower hingegen verlor er kaum. Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass zahlreiche Youtuber als Reaktion auf den Skandal-Clip eigene Videos produzierten, in denen sie einzelne Szenen kommentierten und ihr Missfallen deutlich machten. Fraglich ist, ob es dabei wirklich um ethische Grundsätze und ernsthafte Kritik, oder doch eher um die eigene Reichweite und Klicks ging.

Logans Reaktion: Eine gefühlvoll vorgetragene Entschuldigung und ein Monat Abstinenz von den sozialen Medien gefolgt von einem Comeback-Video, in dem er sich mit dem Thema Suizid kritisch auseinandersetzen will und ankündigt, eine Million Dollar für die Suizid-Prävention spenden zu wollen.

Eine großflächige öffentliche Debatte über Persönlichkeitsrechte, Grundregeln und Ethik in den sozialen Medien war die Folge. Nach wie vor kann man sich fragen, ob Youtube in diesem Fall hätte drastischer gegen Logan Paul vorgehen müssen. Kritisch zu sehen ist in dem Zusammenhang auch die Tatsache, dass das Video trotz Meldungen durch andere User zunächst online blieb. Von Seiten des Konzerns wird argumentiert, man könne das Verhalten der User erst dann sanktionieren, wenn es gegen die Youtube – Richtlinien verstößt. Besonders das letzte Video des Vloggers, in dem er mit einem Elektroschocker auf eine tote Ratte schießt und einem lebenden Koi eine Herzdruckmassage verpasst, ist hier problematisch. Zwar sind diese Aktionen wirklich geschmacklos, werden aber nicht als Richtlinienverstoß gewertet.

Grundsätzlich stellt sich also die Frage, wie eine Plattform wie Youtube sich in Zukunft positionieren und ihre Richtlinien angleichen kann, um derartige Vorfälle zu vermeiden. Besonders im Fall Logan Paul ist nicht zu vergessen, dass seine Abonnenten zu einem überwiegenden Teil Kinder und Jugendliche sind, so dass allein aus jugendschutzrechtlichen Gründen eine Überarbeitung der Richtlinien notwendig scheint.

Autorin: Marina Schnieders