Schulische Bildung

Youtube/Snapchat-Workshop in der Oberschule in Findorff

Foto: Harald Rehling, Universität Bremen

Seit den Anfängen des Internets zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben sich die Medien und das Digitale im Allgemeinen rasant weiterentwickelt. In den Schulen bleibt wenig Zeit sich intensiv damit auseinanderzusetzen und so bringen sich die Kinder den Umgang mit den Medien selbst bei. Den Eltern fehlt oft das Know-How, ihre Kinder auf dieser Entdeckungsreise zu begleiten. In meinen Augen haben Medienpädagogen eine wichtige Funktion, indem sie zum Beispiel Workshops anbieten, um die Schüler aufzuklären.

Ich bin Ted Koob und ich führte am 13. Juni 2016 einen Workshop in der Oberschule in Findorff durch. Ich bin kein Medienpädagoge, sondern studiere eigentlich Journalistik an der Hochschule Bremen. Mein Interesse an der Medienpädagogik gibt es seit langem, ich hatte aber noch nie die Möglichkeit einen Kurs in diesem Bereich zu belegen. Für den Workshop suchte ich mir das Thema Snapchat aus, weil die App unter den Jugendlichen viel genutzt wird. Die Studien zeigen, dass Snapchat und Youtube andere soziale Medien, wie z.B. Facebook oder Instagram, in der Beliebtheit abgelöst haben. Am gleichen Tag hielt meine Kollegin ebenfalls ein Workshop zum Thema Youtube ab. Den Schwerpunkt legte sie dabei auf die Kommerzialisierung.

 

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Vorbereitung auf den Workshop in der Schule. Foto: Anke Offerhaus, Universität Bremen

Hintergrund und Aufbau des Seminars

Die tolle Erfahrung begann mit einem Projektseminar an der Universität Bremen. Die Veranstaltung hieß „Digital Natives schulen Digital Natives“ und wurde im Rahmen der Medienpraxisseminare des Medien- und Kommunikationswissenschaft-Studiengangs angeboten. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der (bre(ma, der Bremischen Landesmedienanstalt, statt.

Das Seminar fand über ein Semester statt und wurde in drei Phasen aufgeteilt:

Die erste beinhaltete das Erlernen einiger theoretischer Begriffe aus dem Bereich der Medienpädagogik. Die Aneignung dieses Wissens erfolgte über das Selbststudium und das gemeinsame Arbeiten im Seminar. Wir Studenten sollten einige Basis-Texte lesen und vorbereiten, welche dann in der Vorlesung klassisch aufgearbeitet wurden. Es ging darum, Begriffe, wie zum Beispiel Medienkompetenz oder peer-to-peer education, zu verstehen und zu analysieren. Da wir aus verschiedenen Studiengängen kamen, wurden die Studenten zuerst auf die gleiche Wissensstufe gebracht. Das erarbeitete Wissen bildete die Basis für die beiden folgenden Phasen.

Im Anschluss standen die Vorbereitung und die Durchführung des Workshops auf dem Programm. Zur Vorbereitung gehörten mehrere Faktoren. Unsere Aufgabe war es, sich über bereits bestehende Projekte zu informieren und herauszuarbeiten, welche Themen im Bereich der sozialen Medien aktuell sind. Für Schulen gibt es ein breit gefächertes Angebot und einige greifen darauf zurück. Dennoch könnten noch mehr Schulen erreicht und die Zusammenarbeit mit den Eltern verbessert werden. Ein Beispiel sind die Elternabende, die von den Landesmedienanstalten oder anderen Akteuren organisiert werden, aber nur teilweise gut besucht sind.

Der zweite Schritt für die Teilnehmer des Seminars war das Finden der Themen für die Workshops, wovon sich schnell zwei herauskritallistisierten:

Auf der einen Seite suchte ich mir Snapchat aus, da sich die App seit Beginn des Jahres 2016 besonders großer Beliebtheit erfreut. Auf der anderen Seite wählte meine Kollegin das Thema Youtube aus, weil es dort vor allem im Bereich Kommerzialisierung Aufklärungsbedarf für die Jugendlichen gibt.

Der letzte Schritt vor der Durchführung, war die konkrete Vorbereitung des Workshops. Hier mussten wir, die Workshopleiter, uns zu unseren Themen Aufgaben ausdenken, durch die die Schüler etwas über Snapchat bzw. Youtube lernen können. Ein genaues Workshop-Konzept war nötig, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Zusätzlich kamen sowohl Teilnehmer des Vorgängerkurses, sowie die Sozialarbeiter aus der Schule in unseren Kurs, um uns die nötigen Tipps zu geben. Viele Fragen, die wir im Vorfeld hatten, wurden dadurch geklärt und wir konnten uns optimal auf die Situation in der Schule vorbereiten.

Durchführung der Workshops

Das spannendste Erlebnis war die Durchführung der Workshops an der Oberschule in Findorff. Beide Workshops fanden in einer 7. Klasse an einem Vormittag statt. Zu Beginn teilten wir die Schüler in zwei gleiche Gruppen auf.

 

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Ablaufplan des Snapchat-Workshops. Foto: Anke Offerhaus, Universität Bremen

In meinem Snapchat-Workshop hatte ich zwei Schwerpunkte. Der erste war die Information über die App selbst und den Datenschutz. Eine halbe Stunde lang versuchte ich, einerseits mit einem Frage- und Antwortspiel, den Schülern Informationen über Snapchat zu entlocken. Ich stellte ihnen eine Reihe von Fragen, die Bezug zur App und den verschiedenen Funktionen hatten. Dies erlaubte mir zu sehen, inwieweit sich die Schüler mit der App auskennen. Erstaunlicherweise waren die Jugendlichen bereits gut informiert. Zusätzlich klärte ich sie über den Datenschutz und die Privatsphäre-Einstellungen auf. In beiden Punkten gab es unter den Schülern größere Wissenslücken. Einige änderten sogar ihre Einstellungen, damit sie die App sorgloser und sicherer benutzen können.

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Die Schüler erweitern ihr Wissen über Snapchat. Foto: Anke Offerhaus, Universität Bremen

Außerdem wollte ich den Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich kreativ zu entfalten. Die Schüler erstellten eine Snapchat-Story, in der sie Situationen aus dem Alltag mit Fotos und Videos darstellten. Sie sollten zeigen, wann das Smartphone nützlich oder nicht angebracht ist. Die App ist eigentlich so konzipiert, dass die Bilder nach wenigen Sekunden verschwinden. Bei der Story ist es aber so, dass diese für 24 Stunden auf Snapchat sichtbar sind. Ziel bei dieser Übung war es, dass sich die Schüler ihrer alltäglichen Smartphone-Nutzung bewusst werden. Außerdem lernten die Schüler das kreative Gestalten von Fotos und Videos, die anhand der verschiedenen Snapchat-Funktionen bearbeitet werden können.

Zum Schluss wurden die Storys gemeinsam angeschaut und darüber diskutiert.

Der Youtube-Workshop war ähnlich aufgebaut. Zuerst wurde mit den Schülern ein Quiz durchgeführt. Die Projektleiterin machte sich ein Bild darüber, was die Jugendlichen über die Video-Plattform wissen. Da der Schwerpunkt auf der Kommerzialisierung lag, schauten sich diese mehrere Videos an. In den Videos sollten sie herausfinden, wie die verschiedenen Youtube-Stars die Plattform nutzen, um gezielt Werbung für ein Produkt zu machen. Begriffe wie Affiliate-Links oder Produktplatzierung wurden erklärt. Zudem analysierten die Projektleiterin und die Schüler gemeinsam, wie die Youtube-Stars mit versteckten Hinweisen ihr Geld verdienen.

 

 

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Beim Youtube-Workshop liegt der Schwerpunkt auf der Kommerzialisierung. Foto: Harald Rehling, Universität Bremen

Im kreativen Part drehten die Schüler selbst ein kleines Youtube-Video, in dem sie Werbung für einen alltäglichen Gegenstand machten. Anschließend wurden diese Videos angeschaut und besprochen. Den Jugendlichen wurde klargemacht, wie leicht es ist, Leute mit Werbung zum Kauf teurer Produkte zu bewegen. Beide Workshops endeten mit einer Abschlussdiskussion.

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Die Schüler hören der Projekleiterin aufmerksam zu. Foto: Harald Rehling, Universität Bremen

Fazit

Nach der Durchführung der Workshops fand die letzte Phase des Seminars an der Universität statt. In den letzten Sitzungen wurde der Gesamtprozess von der Idee bis zur Durchführung der Workshops besprochen. Das Projekt war ein toller Erfolg, da alle Beteiligten zufrieden waren. Die Schule, die Klassenlehrerin und die Sozialarbeiter waren erfreut und möchten auch in Zukunft die Zusammenarbeit mit der Uni und den Studenten fortsetzen. Die Schüler beteiligten sich mit Begeisterung an den Workshops und für uns Projektleiter war die Arbeit mit den Jugendlichen lehrreich.

Für mich persönlich war die Durchführung des Workshops eine tolle Erfahrung. Die Schüler begeisterten sich für die Themen und konnten einiges lernen. Natürlich gibt es immer Verbesserungsmöglichkeiten, vor allem weil es für mich das erste Mal war, dass ich vor einer Klasse stand. Es hat aber Spaß gemacht, den Kindern etwas im Bereich der Medienpädagogik beizubringen. Dennoch ist es weiterhin wichtig an neuen Projekten zu arbeiten, da sich das digitale Zeitalter rasant weiterentwickelt.