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Pokémon Go – Ein Erfahrungsbericht

Alles fing mit dem täglichen Überfliegen der Nachrichten an. Ob in den Printmedien, Online oder im Fernsehen – überall wurde über den neuen Hype Pokémon Go berichtet.

Eine Smartphone-App stellt die Welt auf den Kopf

Die Berichterstattung mahnt vor der Gefahr des Handy-Games und verweist auf zahlreiche Unfälle, z.B. „Pokémon-Go-Spieler rast in Polizeiauto“ (Handelsblatt). Aber auch das Argument, dass die Computerspiel abhängige Stubenhocker-Jugend endlich mal wieder an der frischen Luft ist, wird gebracht. Der Kanon aber ist: „Eine Smartphone-App stellt die Welt auf den Kopf“ (Handelsblatt).

Diesen Hype wollen nun auch Unternehmen wie Telekom und Fast-Food Restaurants für sich nutzen. Doch worum es genau geht und wieso eine App so viel Medienaufmerksamkeit bekommt, das war mir nicht klar. Was macht man da? Einfach mal selbst ausprobieren nach dem Motto „Kostet ja nix“.

Aller Anfang ist schwer

Die App kostet ja wirklich nix – beziehungsweise ist Freemium (dazu später mehr). In den App Stores von Google oder Apple findet man die App ganz oben in den Beliebtheitslisten. Schnell installieren und dann – nichts. Der Test fängt sehr ernüchternd an. Die Server sind überlastet und das Spiel ist nicht zu starten.

Da hilft nur viel warten – und immer wieder probieren, ob es nicht doch mal klappt. In der Zwischenzeit aber erstmal auf die Breminale – vielleicht klappt es ja zu einer anderen Uhrzeit. Und Tatsache – mitten in der Nacht und schon im Bett funktioniert die App beim ersten Versuch. Das Spiel startet und vor lauter Freude darüber springen meine Freundin und ich in unsere Klamotten und laufen durch die Straßen.

Was mache ich hier eigenlich

Ich muss zugeben – Pokémon war irgendwie nach meiner Zeit. Die kleinen japanischen Taschenmonster kenne ich nur so am Rande. Umso witziger fand ich es, wenn vor mir auf der Straße plötzlich eines auftauchte. Mit Augmented Reality sieht es niedlich aus, wie es auf der Straße, auf Autos etc. sitzt und herumspringt oder flattert. Mit einem gezielten Wisch auf dem Smartphone fängt man es ein und bekommt verschiedene Arten von Punkte – und natürlich das Pokémon selbst.

PokemonGo

Pokémons in freier Wildbahn (hierzu zählt auch der Supermarkt)

Zusätzlich gibt es noch Wegpunkte, an denen man nützliche Gegenstände bekommt. Um zum Beispiel Pokémons anzulocken, aufzupäppeln etc. Und es gibt Arenen, in denen man seine Pokémons gegen andere kämpfen lassen kann.

Was man eigentlich zu tun hat, für was die gefundenen Items gut sind oder wie ein Kampf in der Arena funktioniert – das erfährt man im Spiel nicht. Es gibt kein Tutorial, keine Einführung, keine Hilfe. Man muss alles selbst herausfinden. Oder man schaut auf Youtube.

Blick auf das Handy

Was man wahnsinnig schnell lernt – wie Handyfixiert man wird. Beim Herumlaufen checkt man permanent oder zumindest regelmäßig oft die Karte, auf der die Pokéstops (Wegpunkte) und auftauchenden Pokémons angezeigt werden.

Taucht ein Monster plötzlich auf, bleibt man stehen und versucht es zu fangen. Dumm nur, wenn man aus Unachtsamkeit mitten auf der Straße stehen bleibt. Dumm auch, dass man dem Akkubalken beim Schrumpfen zuschauen kann.

Was aber so richtig nervt: Ständig bricht die Verbindung zum Server ab und die App startet nicht mehr.

Massenphenomen

Aber: Ich bin beim Pokémons jagen echt viel gelaufen. Wenn man durch Bremen läuft oder einfach nur mit einer „Limo“ am Osterdeich sitzt, fallen einem kleine und auch große Gruppen auf, die auf ihr Handy starren. Manche sind auch auf dem Longboard, Skates oder Fahrrad unterwegs. Wahrscheinlich um schnell einen großen Teil der Karte zu erkunden.

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Pokémon Go Spieler versammeln sich an Orten mit hoher Monsterdichte

Nur bei bestimmten Pokéstops, an denen viele Tierchen erscheinen, setzt man sich auch mal hin. Die erkennt man am Symbol auf der Karte. Oder weil ungewöhnlich viele Menschen an Orten rumlungern und auf ihr Handy starren, an denen normalerweise nicht viel los ist.

Um ganz ehrlich zu sein, mich hat überrascht das ich keine Schublade für Pokémon Go Spieler aufmachen kann. Klar sind da Cosplay Mädels, Kerle mit Pferdeschwanz und Computer-Nerd Aura. Aber da sind auch die McFit Kerle mit Muskelshirt und umgedrehtem Cappy, Hipster, die Frauen in High Heels und Kostüm. Ihr wisst worauf ich hinaus will…

Zeit und Geld

Nun geht es ja darum Pokémons zu fangen, hochzuleveln und in Arenen alle platt zu machen (zumindest glaub ich das – gibt ja keine Anleitung). Nun kann man sich alle hilfreichen Items dafür im entsprechenden Shop kaufen. Da es eine eigene Währung und keine direkte Umrechnung in Euro gibt, hat man auch keinen Überblick darüber, was man da so ausgibt. Um meinen Geiz da mal zu rechtfertigen – ist auch ganz schön unsportlich, oder?

Sportlich, im engeren Sinne, ist es dann, zu laufen, laufen, laufen … um Pokémons und Items zu finden, Eier auszubrüten und so weiter. Doch das kostet verdammt viel Zeit und so ein bisschen dumm komme ich mir dabei auch noch vor. Kein Wunder also, dass ich mit meinem Anfänger Level 8 gar nicht erst in die Arena gehen muss um meine kleinen, süßen, unterentwickelten Pokémons zu opfern.

Wann ist der Hype vorbei

Ich muss sagen, dass es schon Spaß macht, durch die Stadt zu laufen und Pokémons zu jagen. Vor allem, wenn man eine neue oder sogar seltene Spezies entdeckt, hat man sein kleines Erfolgsgeheimnis. Doch ich habe das Gefühl, dass ich als Gelegenheitsspieler nicht mit den „Profis“ mithalten kann und daher wenig Spaß in Arenen haben werde. Um das mal einzuordnen, Kollegen spielen das nicht nur sehr ausgedehnt in der Freizeit, sondern sogar auf Arbeit.

Also werde ich das ab und an mal anmachen, wenn ich zum Bäcker oder in die Stadt laufe – just for fun und ohne das Ziel, eine Arena zu dominieren. Mal schauen, wann mir das zu umständlich oder langweilig wird. Spätestens wenn die ganzen Unternehmen Pokemon Go für ihre Zwecke vereinnahmen – was bereits beginnt – werde ich aber was neues ausprobieren.

Fazit

Pokémon Go ist ein witziges Spiel, bei dem man die kleinen Taschenmoster fängt, weiterentwickelt und in Arenen gegeneinander kämpfen lässt. Die App bietet, wie jede andere auch, tolle Erlebnisse und kritische Punkte – wohlgemerkt aus meiner persönlichen Sicht und ohne Gewichtung. Aber probiert es selbst aus und diskutiert eure Erfahrungen.

Plus-Punkte:

  • Kostenlos zu installieren
  • tolle Umsetzung mit Augmented Reality
  • fehlende Anleitung motiviert zum Probieren und Recherchieren / Austauschen
  • Motiviert sich viel zu bewegen
  • Pokestops können Treffpunkte sein an denen man Menschen kennen lernen kann

Minus-Punkte:

  • Shop Währung ist intransparent
  • Datenschutz problematisch
  • Serververbindung geht oft verloren
  • sehr zeitintensiv
  • Akkubelastung ist sehr hoch
  • man kann die Umgebung aus den Augen verlieren (z.B. Straßenverkehr)
  • man kann Mitmenschen aus den Augen verlieren (Ich habe Eltern gesehen, die das beide gespielt haben und das kleine Kind in der Mitte unbeachtet nebenher gelaufen ist)